Kronprinz Friedrich von Preußen
 
Berlin war Anfang des 18. Jahrhunderts ein Städtchen mit Kopfsteinpflaster, Kanälen, Giebelhäusern und nur einem Prachtbau, dem königlichen Schloss, ausgestattet mit prunkvollen französischen Möbeln und vornehmen Teppichen. Hier wurde er am Sonntag, dem 23. Januar 1712, geboren. Er soll ein schönes Kind mit strahlend blauen Augen gewesen sein.

Kronprinz Friedrich um 1737

Als er sechs Jahre alt war, wurden zwei Militärgouverneure mit seiner Erziehung beauftragt. Dem Prinzen sollte beigebracht werden, was er dem König und der Königin an Respekt und Unterordnung schuldig ist. Gottesfurcht und Gehorsam sollten ihm anerzogen werden. Seinen Umgang bestimmte der Vater, Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig. Er bestimmte auch die Ausbildung: "Was die lateinische Sprache anbelanget, so soll Mein Sohn solche nicht lernen und will ich auch nicht, daß Mir einer davon sprechen soll, sondern sie sollen beide nur dahin sehen, daß er sowohl im Französischen als Teutschen eine elegante und kurze Schreibart sich angewöhne. Die Rechenkunst, Mathematik, Artillerie, Oeconomie muß er aus dem Fundamente lernen." Zwei "Militärgouverneurs" waren dafür zuständig.
 

Der Tagesablauf für den Zehnjährigen wurde vom Vater so festgelegt:

6 Uhr Aufstehen: Waschen, anziehen, Haare kämmen und schwänzen (ohne Puder), frühstücken in 7 Minuten und beten.

7 - 9 Uhr: Geschichtsunterricht

9 - 11 Uhr :Religionsunterricht

11 - 14 Uhr beim König (Vater)

14 - 15 Uhr Geografieunterricht: Europäische Reiche, deren Macht und Schwächen

15 - 16 Uhr: Moralunterricht

16 - 17 Uhr: Briefe schreiben lernen

17 Uhr: Freizeit beim König/Vater. Bewegung im Freien.

 

Mit 16 Jahren nahm Friedrich heimlich Flötenunterricht, angeregt von seiner Mutter, die auch dieses Instrument spielte. Sein Vater nahm um diese Zeit selbst die weitere Ausbildung in seine Hand. Damit begann die Zeit der Missverhältnisse zwischen ihnen. Der Vater drängte ihn zu den Soldaten, Friedrichs Ambitionen lagen bei Musik und Büchern, was der Vater ihm verwehrte.

Zu einem Besuch in Dresden nahm sein Vater den 16-jährigen Prinzen 1728 mit. Dort lernte er die Gräfin Orselka kennen und schätzen. Bei dem sächsischen Gegenbesuch in Berlin wurde diese Beziehung so eng, dass daraus ein Kind hervorging. Friedrichs Sturm- und Drangperiode begann, begleitet von seinem Freund Katte und seinem Pagen Keith.

Hans Hermann von Katte

 

Friedrich reichte mit seinen 600 Talern jährlich nicht mehr und machte Schulden. Als der König das erfuhr, verprügelte er seinen Sohn eigenhändig.

Außerdem war geplant, dass Friedrich eine englische Prinzessin heiraten sollte, was er auch anstrebte, und ein englischer Prinz sollte seine ältere Schwester ehelichen. Diese geplante Doppelhochzeit gab vielleicht den letzten Anstoß zur Flucht aus der Macht seines despotischen Vaters. In der Nacht vom 4. auf den 5. August 1730 wollte er über Frankreich nach England fliehen. Das hatte er seinem Freund Katte, der in Berlin war, brieflich mitgeteilt. Dieser Brief wurde allerdings abgefangen. Katte wurde als Mitwisser verhaftet und Friedrich an der Flucht nach Frankreich gehindert. Beide wurden vor ein Kriegsgericht gestellt, das im Schloss Köpenick zusammentrat, der Fahnenflucht angeklagt und verurteilt, auf Wunsch der Königs zum Tode. Zwei der Richter, die Grafen Dönhoff und Schwerin, weigerte sich, den Kronprinzen zum Tode zu verurteilen. Friedrich erhielt Festungshaft. Katte wurde hingerichtet, Friedrich wurde aus der Armee ausgestoßen und kam nach Küstrin. Die Hinrichtung seines Freundes musste er aus dem Fenster seines Gefängnisses mit ansehen. Zwei Jahre musste Friedrich in der Festung Küstrin bleiben. Zeitweilig wurde ihm auch der Status als Prinz aberkannt.

Elisabeth Christine

Es ist kaum zu glauben, dass der spätere König Friedrich II. nach dieser Jugend ein Kriegsherr und Eroberer wird.

Im Sommer 1733 heiratet er die ungeliebte Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel. Die Ehe blieb kinderlos, was wohl nicht an ihr lag.

1736 zieht Friedrich mit Frau und Hofstaat in das Schloss Rheinsberg, das er vom Vater erhalten hatte. Der Um- und Ausbau des Schlosses, so wie wir es heute kennen, hatte Knobelsdorff übernommen; erst 1739 war die Arbeit beendet. Nach eigenen Angaben war er hier glücklich. Seine Gedanken gingen weit über die Grenzen Preußens hinaus. 1738 erschien seine Schrift "Gedanken über die den gegenwärtigen Zustand der Politik in Europa" und ein Jahr später sein "Antimachiavelli", in dem er sich zum aufgeklärten Absolutismus bekennt. Als König wird er seinen eigenen Vorstellungen nur ansatzweise gerecht werden. Der Volksgehorsam wird ihm über alles gehen. Aber das Leben auf Schloss Rheinsberg ist von Leichtigkeit geprägt. An seinen Vater schrieb er: "Anjetzo bin ich beschäftich mit dem flanzen der Bäume fertig zu werden, dieweil wir anjetzo noch schöne tage haben."

Hier begannen auch seine Kontakte mit Voltaire, der längere Zeit sein Wegbegleiter werden sollte. Mit der Thronbesteigung 1740 begann sein Königtum. Später wird er sagen: "Wäre ich in meiner Jugend ermutigt statt gedemütigt worden, so taugte ich mehr als jetzt."

 
Quellen: K.E.Vehse, Preußens Könige Privat, Köln 2006. Berliner Zeitung vom 14.1.2012; Beilage. Bilder: Wikipedia
 
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