Bundesstraße
1 - östlich von Berlin |
Wenn du auf der B 1 von Berlin Richtung Osten fährst, bewegst du dich auf der ältesten Straße in Mitteleuropa. Schon vor 2000 Jahren transportierten Händler Salz von Brügge auf dieser Straße, die bis in den hohen Norden nach Nowgorod führte. Schon Ptolemäus erwähnte sie im 2.Jh. u.Z. als Heer- und Handelsstraße. Vor 1000 Jahren hieß sie Via Regia und war von Aachen bis Magdeburg die ottonische Königsstraße. Auch landwirtschaftliche Erzeugnisse wurden transportiert. Der Handel führte damals zu blühenden Landschaften und machte viele Anwohner wohlhabend. In den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war sie nur noch rund 1400 km lang und führte von Aachen bis an die litauische Grenze. Offiziell hieß sie Reichsstraße 1, und an ihren Rändern stand auf gelbem Grund im schwarzem Rand ihre Zahl. In der DDR hieß sie F 1 (für Fernstraße) und ging von der westlichen Grenze bis Küstrin an der Oder. Im vereinten Deutschland beginnt sie wieder in Aachen und endet nach 778 km als B 1 in Küstrin an der polnischen Grenze. |
Östlich
von Berlin gibt es jetzt zwei erfreuliche Verän-derungen. Müncheberg und Seelow
haben Umgehungs- straßen bekommen, so dass der Durchgangsverkehr die Innenstädte
nicht mehr belastet. Dafür kommt man allerdings an der Gedenkstätte für die Schlacht
an den Seelower Höhen nicht mehr vorbei. Vom 16. bis 19. April 1945 kämpfte die
1.Belorussische Armee unter Marschall Schukow den Weg nach Berlin frei. Etwa eine
Million sowjetische Soldaten kämpften gegen 100 000 deutsche. Diese Gedenkstätte
erinnert an die sowjetischen Verluste: 70 000 Soldaten und 2800 Panzer. 12 000
deutsche Soldaten verloren auch ihr Leben. Das war die größte und verlustreichste
Schlacht des 2.Weltkrieges. |
Kurz
vor Küsterin gibt es eine andere kriegerische Hinterlassenschaft. Nach dem deutsch-französischen
Krieg 1871/72 sollte rund um Küstrin eine Befestigungslinie gezogen werden. 1889
war das Fort bei Gorgast fertig. Es war für 300 Infanteristen und 60 Artilleristen
gebaut und mit einem 40 Meter breiten und 3 Meter tiefen Wassergraben umgeben
worden. Bis heute ist der artesische Brunnen funktionstüchtig. Seit 1997 steht
es unter Denkmalschutz und kann besichtigt werden. Militärischen Nutzen hatte
es nie, denn die technische Entwicklung der Waffen und die Einbeziehung der Zivilbevölkerung
in die Kriegshandlungen machten solche Anlagen überflüssig. |
Eingang zum Fort | Lageplan |
Groß geworden war das Dorf zum ersten Male in der Mitte des 18. Jahrhunderts, als der Alte Fritz, Friedrich II., das Oderbruch trocken legen ließ. In jener Zeit entstand diese flache Landschaft, in der die Kirchtürme viele Kilometer weit zu sehen sind. In Golzow gab es diesen Turm seit dem 18.Jh., jetzt gibt es ihn nicht mehr. Die deutschen Truppen haben ihn bei ihrem Rückzug 1945 gesprengt, eben deswegen, weil die Kirchtürme von weitem zu sehen und gute Ziele waren. Jetzt zeigt eine große Straßenkreuzung die Dorfmitte an. In der langen Geschichte des Ortes war das Dorf auch Rittergut; einige Häuser aus rotem Backstein zeugen noch davon. Die Umfriedungsmauer mit einigen Türmen hat die DDR nicht überlebt. Nach dem 2.Weltkrieg war das Oderbruch Armenhaus, die Oderflut hat das ihre dazu getan. Aus einer anfänglichen MAS (Maschinen-Ausleihstation) in den 50-er Jahren wurde eine LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft), der an Größe und Produktivität kein anderer Agrarbetrieb in Europa gleich kam. Die LPG Golzow war ein Vorzeigebetrieb. Der letzte Vorsitzende war bis zum Ende der DDR 30 Jahre im Amt. Wohnhäuser der Arbeiter zeugen von dem zweiten großen Aufschwung. Jetzt kann man auch den Niedergang nach der Wende sehen: Leere und verfallene Treibhäuser und Ställe. Einen Landwirtschaftsbetrieb gibt es jetzt noch. Von den ehemaligen Beschäftigten wurden 15 % übernommen. Viele junge Leute sind abgewandert. Die Veränderungen nach der Wende sind ebenso dokumentiert wie die Entwicklung in der DDR. Von 1961 an haben Winfried und Barbara Junge 18 Schüler einer Klasse filmisch verfolgt. |
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