Bernau bei Berlin
 
Archäologische Funde belegen in diesem Gebiet an den Ufern der Panke Siedlungen schon vor 10 000 Jahren. Die Stadt wurde einer Sage zufolge 1140 vom Askanier Albrecht dem Bär gegründet. Er soll sich bei einer Bärenjagd in den Barnimer Wäldern verirrt haben. Herberge fand er mit seinem Gefolge in einer Krugwirtschaft, wo ihm das Bier so gut geschmeckt hat, dass er die Stadtgründung angeregt hat.

Neben den vielen Neubauten aus den 80-er Jahren des 20.Jahrhunderts gibt es nur noch wenige Häuser aus dem späten Mittelalter, wie den Gasthof Schwarzer Adler.

Vielleicht wurde in einem Vorgänger die Stadtgründung angeregt.

Von der Blütezeit der Stadt zeugt unter anderem die Stadt- mauer. Sie ist bis 8 Meter hoch und 1,3 Kilometer lang. Sie hatte ursprünglich 42 Lughäuser, Wachtürme, von denen nur wenige restauriert wurden. Zwei Rundtürme und drei Tore gehörten zur Befestigung. Von dem Graben- und Wallsystem außerhalb der Mauer sind nur noch Teile erhalten. Zum Spazieren gut geeignet!
. Belegt ist, dass die Hussiten die Stadt nicht erobern konnten. An den früheren Erfolg erinnert jedes Jahr im Juni das Hussitenspektakel, das auch unzählige Gäste in die Stadt lockt. Der andere Teil des Heimatmuseums befindet sich im Henkerhaus am gegenüber liegenden Teil der Stadtmauer. Dort sind Gegenstände alter Gerichtsbarkeit zu bestaunen. Der Weg quer durch die Altstadt dauert etwa 15 Minuten, wenn man nicht an der Marienkirche aus dem 16.Jahrhundert halt macht, um den Flügelaltar von Lucas Cranach d.Ä. anzuschauen.
Nicht weit vom Henkerhaus steht der 26 Meter hohe Pulverturm. Neben dem Turm, direkt an der Stadtmauer findet man das Wolf-Kahlen-Museum für moderne Kunst.
Der 30-Jährige Krieg und die Pest ließen die blühende Stadt veröden. Einen Aufschwung gab es erst wieder, als sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts 25 Hugenottenfamilien niederließen. Dabei waren Handwerker, Wissenschaftler und Kaufleute. Mitte des 19.Jahrhunderts wurde Bernau an die Stettiner Eisenbahn angeschlossen, und seit 1924 fährt die Berliner S-Bahn bis Bernau. Seit dem Bau der Stettiner Autobahn gibt es auch einen Anschluss an das Schnellstraßennetz. Diese Verkehrsanbindungen haben den Handel mit der damaligen Kreisstadt wesentlich befördert.

Im 2.Weltkrieg ist die Stadt kaum zerstört worden. Als 1945 die Rote Armee die Stadt eingenommen hatte, wurde der 19-jährige Sohn Friedrich Wolfs, der Rotarmist Konrad Wolf, erster Stadtkommandant.

Sein Film Ich war 19 erzählt davon. Ein Relief mit einem aufgeschlagenen Buch davor erinnert an ihn mit seiner Meinung über Kunst, die die Menschen verbinde. Konrad Wolf ist Ehrenbürger von Bernau.

An der nördlichen Öffnung der Stadtmauer findet der interessierte Besucher ein ungewöhnliches Ensemble: Neben dem Kriegerdenkmal aus lange vergangenen Zeiten steht das Denkmal für den Deserteur und auf der gegenüber liegenden Straßenseite das sowjetische Ehrenmal.

Auf der Platte zu Füßen des Reliefs ist zu lesen:

GEWIDMET ALLEN DESERTEUREN UND VERWEIGERERN

DEREN HEIMAT DIE MUTTER ERDE IST

DIE IM FEIND DEN MENSCHENBRUDER ERKENNEN

DIE STATT AUF GENERÄLE AUF DEN BEFEHL DES GEWISSENS HÖREN

DIE NICHT AN IDEOLOGIEN SONDERN AM LEBEN HÄNGEN

DEREN ANGST KLEINER IST ALS IHRE LIEBE

BERNAU 15.MAI 1998

 
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